Ausflug in den Wadi El Gemal Nationalpark

Während unserer Reef Check Aktivitäten im Juni 2015 machte unser Freund Ahmed M. Shawky, Meeresbiologe und Ranger des Wadi El Gemal Nationalpark, eine Führung mit uns durch „seinen“ Nationalpark. 
Es war eine fantastische Tour und Ahmed brachte uns zu einigen wirklich einzigartigen Orten, die wir noch nie zuvor gesehen hatten…


Wir fuhren mit dem Bus und machten drei Stops entlang der Küste. Unser erster Halt war „Delta Wadi El Gemal“, ganz in der Nähe vom Ranger Stützpunkt am nördlichen Eingang von diesem geschützten Gebiet, 52 km südlich von Marsa Alam.
Hier, in der „Wüste“, wurden wir von einer üppigen Vegetation überrascht, welche durch das Grundwasser entlang der „Wadi“ (trockenes Flussbett ) ermöglicht wird.

Beachtlich war etwa eine Doum-Palme (Hyphaene sp.) oder eine wirklich große, alte Tamariske (Tamarix sp.), die spezialisiert ist auf versalzten Böden zu wachsen. Wir entdeckten einen von Schilf (Phragmites australis) umgebenen Süßwasser-Teich. Ahmed sagte uns, dass dies für Säugetiere wie Dromedare und Gazellen, Vögel und andere Tiere in der Region eine wichtige Tränke sei und er erzählte uns die Besonderheiten des Gebietes: 
Im Jahr 2003 wurde das Gebiet um den Wadi El Gemal zum 24. Nationalpark Ägyptens erklärt (zu diesem Zeitpunkt). Der Park hat eine Landfläche von 4770 km², eine Meeresfläche von 2000 km² und eine 67 km lange Küstenlinie. Die hohen Berge im Hinterland unterteilen die Wasserscheiden von den Wadis, die nach Osten zum Roten Meer fließen und den Wadis, die nach Westen in das Niltal führen. Der höchste Berg im Park ist der Gebel Hamata mit 1975 m. Der Park ist Lebensraum für die seltenen Dorcas Gazellen (Gazella dorcas) und den Nubischen Steinbock (Capra ibex nubiana), die vor allem in den Bergen leben. Wadi El Gemal ist der drittgrößte Wadi in der östlichen Wüste mit einem geschätzten Einzugsgebiet von rund 1.500 km² und einer der Wadis mit der ausgeprägtesten Vegetation.
Aber der Park umfasst noch mehr als 40 andere Wadis, neben Wadi El Gemal sind die größten: Wadi Abu Ghusun, Wadi al-Ranga und Wadi al Readaa. Sie alle bilden zusammen ein System von Wassereinzugsgebieten, die abfließendes Wasser sammeln. Es gibt fünf Inseln im Park: Wadi El Gemal Island am nördlichen Ende des Parks und der Qul’an Archipel, die so genannten „Hamata Islands“ (Siyal, Shawarit, Umm al-Sheikh und Mahabis Insel) nördlich von Hamata.

Das Klima ist hyper-arid mit heißen und regenlosen Sommern und milden Wintern. Es regnet nicht jedes Jahr. Die meisten Niederschläge fallen nur kurz und örtlich begrenzt, oft als schwere Regengüsse, die Sturzfluten verursachen. Die letzte Flut im Wadi El Gemal war im November 2004 nach zehn regenlosen Jahren. Das etwa 50 bis 100 m breite Saumriff entlang der Küste ist nur an den Mündungen von einigen größeren Wadis unterbrochen.
Diese natürlichen Buchten, die „Marsa“ genannt werden, sind Folge der seltenen, periodischen Sturzfluten.
Entlang der Küste, vor allem aber im südlichen Teil des Nationalparks gibt es verschiedene mehr oder weniger ausgedehnte Mangrovensümpfe, die durch die Weiße Mangrove (Avicennia marina) gebildet werden, der einzigen Mangrovenart in der Gegend.

Unsere nächste Station waren also die Mangroven von El Readaa. Die Weiße Mangrove hat Luftwurzeln (Pneumatophoren); die es der Pflanze erlauben, Sauerstoff aufzunehmen, der im schlammigen Boden fehlt. Unter günstigen Bedingungen, bei denen sowohl Süß- als auch Meerwasser vorhanden sind, kann die weiße Mangroven bis zu 14 m hoch werden, während sie unter sehr salzhaltigen Bedingungen ein eher gebremstes Wachstum erfährt. Die Art toleriert eine hohe Salinität und kann Salz über ihre Blätter ausscheiden.
Die Mangroven spielen im gesamten Küstenökosystem eine wesentliche Rolle. Sie sind nicht nur ein wichtiger Ort für die Fortpflanzung und Nachkommen von Meerestieren , Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Organismen und viele Vogelarten, sie sind auch wichtig, um die Nährstoffkreisläufe zu verbinden.
Mangroven Krabben fressen die Mangrovenblätter und führen die Nährstoffe in den Kreislauf zurück, als Nahrungsgrundlage für zahllose andere Bodenlebewesen. Unter den Mangroven bemerken wir auch Kunststoffabfälle, einen der menschlichen Einflüssen heutzutage…
Wir sehen auch die „Sabkha“ (Salzsee) von El Readaa. Salzebenen werden entlang trockener Küstenlinien gebildet und sind durch Sedimentgesteine die aus Meerwasser gebildet werden (Evaporite) gekennzeichnet: Das eingeschlossene Wasser verdunstet und lässt eine flache Salzpfanne zurück – oder eben im Arabischen „Sabkha“ genannt.

Unsere dritte und letzte Station ist die Siedlung El Qulaan, in der Nähe von Hamata am südlichen Ende des Parks.
Hier werden wir sehr freundlich zu einer Tasse traditionellen Kaffees eingeladen, genannt „Al Ga’bana“. Die Beduinen-Stämme der Ababda und Bisharia im südlichen Roten Meer haben aus ihrer Kaffee-Zeit eine elegante Präsentation und einen festlichen Höhepunkt des Tages gemacht.
Über einer Feuerstelle wird Wasser mit grünem Kaffee und verschiedenen Gewürzen gekocht. Die Utensilien um dieses Getränk zu machen, wie zum Beispiel die „Kabota“ (Kanne), dürfen in keinem Haushalt fehlen.
Tip: Um noch einen Kaffee zu bekommen, muss man nur seine leere Tasse umdrehen!
Uns wurde gesagt, dass man entweder drei, fünf, sieben … Gabana trinken muss – eine gerade Zahl ist nicht erlaubt!
Aber nach nur einem Gabana spüren wir schon die starke stimulierende Wirkung…

Kurz vor Sonnenuntergang steigen wir auf einen Hügel, um den Sonnenuntergang über den Riffen und Mangroven von Wadi El Gemal Nationalpark zu beobachten. Was für ein schöner Ausflug!
Wir möchten unserem Freund Ahmed ganz herzlich für dieses unvergessliche Erlebnis danken!
Wir sehen uns bald wieder!